{"id":446,"date":"2025-10-08T10:19:27","date_gmt":"2025-10-08T08:19:27","guid":{"rendered":"https:\/\/calandi.de\/?p=446"},"modified":"2026-02-18T16:49:42","modified_gmt":"2026-02-18T15:49:42","slug":"unternehmensnachfolge-in-zeiten-des-wirtschaftlichen-umbruchs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.calandi.de\/unternehmensnachfolge-in-zeiten-des-wirtschaftlichen-umbruchs\/","title":{"rendered":"Unternehmensnachfolge in Zeiten des wirtschaftlichen Umbruchs"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-group\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained\">\n<p><strong>Mittelst\u00e4ndische Unternehmen leiden unter Engp\u00e4ssen und Preisanstiegen. Auch bei der Unternehmensnachfolge gewinnt die Ber\u00fccksichtigung von Preisanpassungen zunehmend an Bedeutung.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Jahrelang schien es, als k\u00f6nne die weltweite Geldmengenausweitung die Preise nicht anheizen. So stieg der Euro Zentralbankgeldbestand zwischen Mitte 2008 und Herbst 2021 um 500 Prozent, w\u00e4hrend der Verbraucherpreisanstieg zwischen null und zwei Prozent herumd\u00fcmpelte. Der Preisanstieg manifestierte sich in den Verm\u00f6genspreisen, vornehmlich bei Aktien und Immobilien.<\/p>\n\n\n\n<p>Entsprechend hielten \u00d6konomen des IMK noch im M\u00e4rz 2021 fest, dass eine Stagflation (Kombination von Inflation und Stagnation) als wenig wahrscheinlich gelten m\u00fcsse. Vielmehr bestehe die gr\u00f6\u00dfte Gefahr darin, tempor\u00e4re Preissch\u00fcbe f\u00e4lschlicherweise als zunehmende Inflation zu interpretieren, mit negativen Folgen aufgrund einer fehlgeleiteten Fiskalpolitik, die dann die wirtschaftliche Erholung durch Sparma\u00dfnahmen abw\u00fcrgen w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/stage2.calandi.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Inflation-HVPI.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-774\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Abb. 1: Energie macht derzeit etwa ein Zehntel des statistischen Warenkorbs (HVPI) aus. Entsprechend f\u00e4llt die Inflation in Summe milder aus als die reine Preissteigerung f\u00fcr Energie.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Mittlerweile hat sich der Prognose-Nebel gelichtet. Die Corona-Ausgabenprogramme, die Euroschw\u00e4che sowie der Anstieg der \u00d6l- und Gaspreise treiben die Inflation in Deutschland in Richtung zehn Prozent. Von einem vor\u00fcbergehenden Preisauftrieb &#8211; wie ihn das IMK glaubte erkannt zu haben &#8211; kann keine Rede mehr sein. Die Konstruktionsfehler der bereits 2013 vom ifo-Institut als \u201eEnergiewende ins Nichts\u201c bezeichneten deutschen Energiepolitik treten nun deutlich zutage.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained\">\n<h2 class=\"wp-block-heading\">KMU-Unternehmen st\u00e4rker betroffen als Gro\u00dfunternehmen<\/h2>\n\n\n\n<p>Die h\u00f6here Inlandsabh\u00e4ngigkeit von <a href=\"https:\/\/www.calandi.de\/unternehmensbewertung\/m-a-und-unternehmensgroesse-deal-size-matters\/\">mittelst\u00e4ndischen Unternehmen<\/a> in Bezug auf Fertigungstiefe und Absatzm\u00e4rkte f\u00fchrt dazu, dass diese den wirtschaftlichen Abschwung st\u00e4rker sp\u00fcren als Gro\u00dfunternehmen. Dies l\u00e4sst sich auch an den Unternehmensbewertungen ablesen. So schnitt der Stoxx Europe 600 als Index der gr\u00f6\u00dften 600 europ\u00e4ischen Unternehmen seit Jahresbeginn um neun Prozent besser ab als sein Pendant f\u00fcr die 200 europ\u00e4ischen Unternehmen mit mittlerer Marktkapitalisierung. Ein fast identischer Trend l\u00e4sst sich bei Dax und SDax ablesen. Unternehmen mit starkem Auslandsgesch\u00e4ft wie die Dt. Telekom (T-Mobile US) konnten sich dagegen dem Trend entziehen und in der Marktkapitalisierung um neun Prozent zulegen. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/stage2.calandi.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Energiepreise-vs-Industriegueterpreise-1024x621.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-771\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Abb. 2: Energiepreissteigerung (blau) vs.&nbsp;Industrieg\u00fcter&nbsp;ohne Energie (orange): gestiegene Energiepreise sind der vorrangige Inflationstreiber.<\/figcaption><\/figure>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained\">\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Due Diligence beim Unternehmenskauf \u2013 Scheingewinne oder nachhaltiges Gesch\u00e4ftsmodell?<\/h2>\n\n\n\n<p>Der Preisanstieg hat viele Gesichter: Brauereien schr\u00e4nken ihre Produktion ein, da Kohlens\u00e4ure knapp und teuer ist. Chemie-Betriebe schmieden Notfallpl\u00e4ne f\u00fcr den Winter, Bauunternehmer rechnen wegen Kaufkrafteinbu\u00dfen, gestiegener Zinsen und h\u00f6herer Baukosten mit einer erlahmenden Nachfrage.<\/p>\n\n\n\n<p>Beim Unternehmenskauf sind diese Entwicklungen ebenfalls zu ber\u00fccksichtigen. Im Rahmen der Due Diligence sollte das Augenmerk auf bestimmte Fragen gerichtet werden: Welche Produkte reagieren mengenm\u00e4\u00dfig wie stark auf eine Preiserh\u00f6hung? Wie stark ist die Marke und die Preissetzungsmacht des Unternehmens? Wie stark ist die j\u00fcngste Ertragssituation durch Preissch\u00fcbe in bestimmten Bereichen erkl\u00e4rbar? Gibt es Lieferengp\u00e4sse, die die Preise treiben und falls ja, wie lange muss mit einem Fortbestand dieser Situation gerechnet werden?<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group blog-highlight-list\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Preissteigerungen bei der Unternehmensnachfolge &#8211; worauf ist zu achten?<\/h3>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list list-custom\">\n<li>Realistische Trennung von dauerhaften Trends und Einmal-Effekten in Bezug auf Wertsteigerung des Lagerbestandes<\/li>\n\n\n\n<li>Preissensitivit\u00e4t des Absatzmarktes muss aus historischen Daten approximiert werden<\/li>\n\n\n\n<li>Fristen und Preisbindungen bei Liefervertr\u00e4gen sollten genau \u00fcberpr\u00fcft werden<\/li>\n<\/ul>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained\">\n<p>Scheingewinne, deren Ursache in der Preisentwicklung des Lagerbestandes liegt, m\u00fcssen als Sondereffekte aus den Ertr\u00e4gen des operativen Gesch\u00e4fts herausgerechnet werden. Ver\u00e4nderungen in den Materialeinkaufspreisen k\u00f6nnen Aufschluss \u00fcber deren Gr\u00f6\u00dfenordnung geben.<\/p>\n\n\n\n<p>Industrien und Produkte, deren K\u00e4ufergruppen eine geringe Preissensitivit\u00e4t aufweisen, befinden sich in der besten Ausgangsposition beim Verkauf. Typischerweise trifft dies f\u00fcr bestimmte Luxusg\u00fcterhersteller zu. Branchen wie Hotel &amp; Tourismus, Consumer Durables, (sog. wei\u00dfe Ware, M\u00f6bel) und Automobilzulieferer leiden hingegen in der Rezession als erste, was entsprechend in den Modellprognosen bei der Unternehmensbewertung zu ber\u00fccksichtigen ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch im Business-to-Business-Bereich (B2B) ergeben sich Anpassungen. W\u00e4hrend Endverbraucher ihren Konsum einschr\u00e4nken, wenn die Stagflation Realeinkommen schrumpfen l\u00e4sst, werden im B2B-Bereich Kostensenkungsprogramme aufgelegt. Unternehmen k\u00fcrzen als verzichtbar angesehene Ausgaben. Dies betrifft in erster Linie Werbe- und Reisebudgets (Erfahrungswerte durch Corona helfen bei der Umsetzung), Reduzierung von Office Fl\u00e4chen (ebenfalls Home-Office bedingt) sowie Bewirtung im Allgemeinen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Hinblick auf diese Trends angepasste Prognosen bilden die Basis einer verl\u00e4sslichen Unternehmensbewertung. Auch Industrien, die auf lange Boom-Phasen zur\u00fcckblicken k\u00f6nnen, sollten im Hinblick auf die Bewertung genauer unter die Lupe genommen werden, auch wenn ein R\u00fcckgang in diesen Bereichen angesichts von Auftragspolstern und vermeintlicher Planungssicherheit immer noch schwer vorstellbar erscheint. Am Markt f\u00fcr Unternehmen werden heute bereits eingetr\u00fcbte Zukunftserwartungen gehandelt, eine aktuell befriedigende Gesch\u00e4ftslage sollte dar\u00fcber nicht hinwegt\u00e4uschen.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained\">\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Due Diligence Phase im \u201eStreckbetrieb\u201c<\/h2>\n\n\n\n<p>In der Praxis zeichnet sich jetzt schon ab, dass der Wert des zum Verkauf stehenden Unternehmens von Kaufinteressenten tats\u00e4chlich deutlich genauer hinterfragt wird als in der Vergangenheit. Stabil niedrige Zinsen erm\u00f6glichten bislang einfache und g\u00fcnstige Finanzierungen von Unternehmensnachfolgen. Hier m\u00fcssen sich Verk\u00e4ufer zunehmend mit alternativen Finanzierungsmethoden vertraut machen (Verk\u00e4uferdarlehen, Minderheitsbeteiligungen mit Kaufoptionen und an zuk\u00fcnftige Ums\u00e4tze gekoppelte <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Earn_out\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Earn-Out Zahlungen<\/a>).<\/p>\n\n\n\n<p>Eine zeitliche Streckung der Due Diligence Phase l\u00e4sst sich bereits beobachten: Kaufinteressenten pr\u00fcfen genau, welche langfristigen Vertr\u00e4ge im Hinblick auf steigende Preise angepasst oder neu verhandelt werden m\u00fcssen. Ein Wandel von einem Verk\u00e4ufer &#8211; zu einem K\u00e4ufermarkt ist auf breiter Front derzeit aber noch nicht erkennbar. Es bleibt abzuwarten, ob steigende Vermarktungsdauern und r\u00fcckl\u00e4ufige Preise sich als Trends verfestigen. Ein zuletzt leichter R\u00fcckgang des Gaspreises macht Hoffnung.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div id=\"Zusammenfassung\" class=\"wp-block-group blog-highlight-summary\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Zusammenfassung<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Inflation und die zunehmende Ungewissheit in Bezug auf Absatzchancen und das Konsumentenverhalten pr\u00e4gen die Unternehmensnachfolge. Kaufinteressenten pr\u00fcfen im Rahmen der Due Diligence genauer, welche Bedeutung Energiepreise im Produktionsprozess der Zielunternehmen spielen und welche Preissteigerungen von Zulieferern sich wie stark am Absatzmarkt weitergeben lassen. Verk\u00e4ufer m\u00fcssen sich auf entsprechende Pr\u00fcfungen einstellen und gegebenenfalls Gegenma\u00dfnahmen einleiten bzw. Alternativen in Produktion und Beschaffung aufzeigen, um die Unternehmensnachfolge gew\u00e4hrleisten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mittelst\u00e4ndische Unternehmen leiden unter Engp\u00e4ssen und Preisanstiegen. Auch bei der Unternehmensnachfolge gewinnt die Ber\u00fccksichtigung von Preisanpassungen zunehmend an Bedeutung. Jahrelang schien es, als k\u00f6nne die weltweite Geldmengenausweitung die Preise nicht anheizen. So stieg der Euro Zentralbankgeldbestand zwischen Mitte 2008 und Herbst 2021 um 500 Prozent, w\u00e4hrend der Verbraucherpreisanstieg zwischen null und zwei Prozent herumd\u00fcmpelte. 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