{"id":276,"date":"2024-10-21T11:29:00","date_gmt":"2024-10-21T09:29:00","guid":{"rendered":"https:\/\/calandi.de\/?p=276"},"modified":"2026-03-05T09:03:04","modified_gmt":"2026-03-05T08:03:04","slug":"unternehmenswert-berechnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.calandi.de\/unternehmenswert-berechnen\/","title":{"rendered":"Unternehmenswert berechnen &#8211; ein \u00dcberblick"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-group\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained\">\n<p>Nachfolgend m\u00f6chten wir einen kurzen, nicht-technischen \u00dcberblick \u00fcber die g\u00e4ngigsten Verfahren f\u00fcr die Unternehmensbewertung geben. Im Detail sind die Verfahren recht kompliziert, die Grundz\u00fcge lassen sich aber auch ohne mathematische Spitzfindigkeiten leicht verstehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Falls Sie auf der Suche nach einer ersten Werteinsch\u00e4tzung sind, k\u00f6nnen Sie mithilfe eines geeigneten Unternehmenswertrechners eine erste Approximation des &#8222;wahren&#8220; Unternehmenswertes schnell errechnen lassen.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained\">\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Substanzwertverfahren<\/strong>  in der Unternehmensbewertung<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Basis f\u00fcr das <a href=\"https:\/\/stage2.calandi.de\/unternehmensbewertung\/substanzwertverfahren\/\" data-type=\"post\" data-id=\"692\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Substanzwertverfahren<\/a> bildet der zu einem bestimmten Stichtag ermittelte Ver\u00e4u\u00dferungswert der Verm\u00f6gensgegenst\u00e4nde des Unternehmens. Dazu geh\u00f6ren neben Waren, Vorprodukten und Maschinen auch Patente und Markenrechte sowie nicht betriebsnotwendiges Kapital, wie z.B. Grundst\u00fccke und Geb\u00e4ude, die rechtlich zum Unternehmen geh\u00f6ren, aber f\u00fcr das Funktionieren des Betriebes keine Rolle spielen, weil sie etwa privat genutzt werden. <\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained\">\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong><strong>Ertragswertverfahren<\/strong><\/strong> in der Unternehmensbewertung<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Basis f\u00fcr das weit verbreitete Ertragswertverfahren bildet die Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) des Unternehmens. Die daraus ablesbaren Jahres\u00fcbersch\u00fcsse werden f\u00fcr zuk\u00fcnftige Perioden anhand der St\u00e4rken und Schw\u00e4chen des Unternehmens prognostiziert und auf Basis der Eigenkapitalkosten des Unternehmens diskontiert, sodass sich aus den kumulierten \u00dcbersch\u00fcssen ein Barwert ergibt. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Eigenkapitalkosten werden dabei \u00fcber den risikofreien Zinssatz hergeleitet. Hinzu kommt eine Risikopr\u00e4mie f\u00fcr das Eigenkapital, die in der Regel \u00fcber b\u00f6rsennotierte Unternehmen abgeleitet wird, sowie ein Ma\u00df f\u00fcr das unternehmensindividuelle Risiko im Vergleich zum Wettbewerb bzw. Gesamtmarkt.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained\">\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Vereinfachtes Ertragswertverfahren nach \u00a7199 Bewertungsgesetz (BewG)<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Das&nbsp;<strong>Bewertungsgesetz<\/strong>&nbsp;regelt in Deutschland die steuerliche Bewertung von Verm\u00f6gensgegenst\u00e4nden (beispielsweise f\u00fcr Zwecke der Erbschafts- oder Schenkungssteuer). Anteile an Kapitalgesellschaften, die nicht b\u00f6rsennotiert sind, werden dabei mit dem sog. gemeinen Wert angesetzt.<em> <\/em>Dieser orientiert sich steuerlich am vereinfachten Ertragswertverfahren, bei dem die nachhaltig erzielbaren Jahresertr\u00e4ge der Gesellschaft mit dem Kapitalisierungsfaktor multipliziert werden. <\/p>\n\n\n\n<p>Vor 2016 errechnete sich der Kapitalisierungsfaktor \u00fcber einen Zuschlag von 4,5 % auf den Basiszins (Marktzins auf Bundesanleihen). Das Niedrigzinsumfeld brachte die Opportunit\u00e4tskosten rechnerisch so weit nach unten, dass der Multiplikator auf etwa 18 anstieg, was zu entsprechend hohen steuerlich anzusetzenden Unternehmenswerten f\u00fchrte. Um die Abgabenlast etwas zu mildern, wurde im Zuge der Erbschaftssteueranpassung im Jahr 2016 eine pauschale Regelung getroffen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Kapitalisierungsfaktor liegt seitdem bei 13,75 und geht somit pauschal von Opportunit\u00e4tskosten (entgangenen Ertr\u00e4gen) von 7,27 % aus (100\/13,75). Anders ausgedr\u00fcckt: Der Gesetzgeber geht davon aus, dass der Investor \/ Unternehmer sein Kapital in vergleichbaren Unternehmensbeteiligungen mit einer (Brutto-)Rendite von 7 % anlegen k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote quote-highlight is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Ist der gemeine Wert von Anteilen [&#8230;] unter Ber\u00fccksichtigung der Ertragsaussichten der Kapitalgesellschaft zu ermitteln, kann das vereinfachte Ertragswertverfahren (\u00a7 200) angewendet werden [&#8230;]. Der in diesem Verfahren anzuwendende Kapitalisierungsfaktor betr\u00e4gt 13,75.<\/p>\n<cite><strong>Bewertungsgesetz (BewG)<\/strong> &#8211; \u00a7 199 und 203&nbsp;Anwendung des vereinfachten Ertragswertverfahrens und Kapitalisierungsfaktor<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Der zweite Teil der Formel ist der Durchschnittsertrag. Dieser wird aus den Betriebsergebnissen (\u00a7 202) der letzten drei Wirtschaftsjahre vor dem Bewertungsstichtag abgeleitet. Das Produkt aus Durchschnittsertrag und Kapitalisierungsfaktor ergibt den Ertragswert des betriebsnotwendigen Verm\u00f6gens. Das nicht betriebsnotwendige Verm\u00f6gen sowie nicht betriebsnotwendige Beteiligungen m\u00fcssen hinzuaddiert werden, um zu dem <strong>gemeinen Wert nach dem vereinfachten Ertragswertverfahren<\/strong> zu gelangen. <\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained\">\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Discounted Cash Flow<\/strong>  in der Unternehmensbewertung<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Basis, f\u00fcr das vor allem international dominierende Discounted Cash Flow (DCF) Verfahren bilden die finanziellen \u00dcbersch\u00fcsse bzw. Zahlungsstr\u00f6me f\u00fcr die Inhaber \/ Anteilseigner. Der Begriff selbst deutet bereits an, dass auch hier eine Diskontierung, d.h. eine &#8222;Verbarwertung&#8220; zur Anwendung kommt.&nbsp; Zahlungen, die in ferner Zukunft liegen, tragen weniger zum Unternehmenswert bei als solche, die unmittelbar bevorstehen. Der Diskontierungsfaktor, der die heutigen und zuk\u00fcnftigen Zahlungsstr\u00f6me vergleichbar macht, richtet sich nach dem Zeitpunkt des Zahlungsstroms. <\/p>\n\n\n\n<p>Wird der gesamte Cashflow diskontiert, so kommen gewichtete Kapitalkosten zum Ansatz (Englisch: Weighted Average Cost of Capital oder WACC). Wird hingegen nur der Zahlungsstrom, der den Eigenkapitalgebern zur Verf\u00fcgung steht, diskontiert, so werden im Equity-Ansatz die Eigenkapitalkosten zur Diskontierung herangezogen.<\/p>\n\n\n\n<p>Betrachtet werden in jedem Fall (WACC oder Flow to Equity-Ansatz) immer nur Zahlungsstr\u00f6me: so mindern Abschreibungen beispielsweise zwar den Jahres\u00fcberschuss in der Gewinn- und Verlustrechnung (GuV), sind aber nicht zahlungswirksam. Sie werden daher in diesem Verfahren nicht ber\u00fccksichtigt oder nur insofern, als ihnen&nbsp;Ersatzinvestitionen und Instandhaltungen (Capex oder Capital Expenditure) f\u00fcr die Fortf\u00fchrung des Unternehmens in der Prognose gegen\u00fcberstehen.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained\">\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong><strong>Multiplikator-Verfahren<\/strong><\/strong>  in der Unternehmensbewertung<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Basis f\u00fcr dieses Verfahren bilden Unternehmenskennzahlen, die dazu herangezogen werden, die zu bewertende Firma zu anderen Unternehmen mit bekanntem Unternehmenswert, Finanzkennzahlen und Multiple (etwa b\u00f6rsennotierte Unternehmen oder Transaktionen mit bekanntem Kaufpreis aus einer propriet\u00e4ren Datenbank) vergleichbar zu machen. Die Unternehmenskennzahlen, die dabei Verwendung finden, sind in aller Regel: Umsatz, EBIT, EBITDA oder (eher un\u00fcblich) der Jahres\u00fcberschuss. <\/p>\n\n\n\n<p>Der Multiplikator selbst ergibt sich, indem der bekannte Wert des Vergleichsunternehmens ins Verh\u00e4ltnis zu der jeweiligen Kennzahl gesetzt wird. So werden Steuerberatungskanzleien beispielsweise h\u00e4ufig in erster N\u00e4herung mit einem Umsatz-Multiple von 1 bewertet. Anschlie\u00dfend finden Abschl\u00e4ge und Zuschl\u00e4ge basierend auf den Spezifika der Kanzlei Anwendung.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus Transaktionsdatenbanken oder \u00f6ffentlich verf\u00fcgbaren Quellen werden Bewertungsmultiplikatoren errechnet. Zu- und Abschl\u00e4ge f\u00fcr bestimmte Branchen, aber auch f\u00fcr Risikofaktoren, k\u00f6nnen dann abgeleitet werden. <\/p>\n\n\n\n<p>Wird die Branche, in der das Unternehmen aktiv ist, derzeit am Markt als attraktiv wahrgenommen oder eher verschm\u00e4ht? Neben bestimmten Modewellen gibt es fundamentale Faktoren und langfristige Wachstumserwartungen, die die Branchenattraktivit\u00e4t beeinflussen. So profitiert beispielsweise die Gesundheitsbranche von relativ stabilen, Umlage- bzw. versicherungsfinanzierten Cash Flows.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/stage2.calandi.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Multiplikator-Zuschlaege-scaled.png\" alt=\"Das Bild zeigt schematisch das Verfahren zur Berechnung eines (EBITDA-) Multiples basierend\" class=\"wp-image-759\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Abb. 1: Der Bewertungsmultiplikator ergibt sich aus einem Basismultiplikator und entsprechenden Ab- bzw. Zuschl\u00e4gen f\u00fcr unterschiedliche Risiko- und Ertragsfaktoren.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Ceteris paribus gehen wir davon aus, dass eine hohe Wertsch\u00f6pfungstiefe die M\u00f6glichkeit zur Produktimitation seitens des Wettbewerbs verringert und damit zu nachhaltigeren Ertr\u00e4gen f\u00fchrt. So wird beispielsweise ein E-Commerce H\u00e4ndler mit ausgelagertem Fulfillment, der lediglich Produkt-Sourcing betreibt, nur so lange einen \u00dcbergewinn erzielen, wie er es schafft, bei Nachfragetrends der Konkurrenz einen Schritt voraus zu sein oder bessere Sourcing Partner an sein Unternehmen zu binden. <\/p>\n\n\n\n<p>Bietet derselbe H\u00e4ndler Produkte aus eigener Fertigung, die ein gewisses Know-how erfordern, so verf\u00fcgt er \u00fcber ein nachhaltiges Alleinstellungsmerkmal, welches das Erwirtschaften stabiler Margen erm\u00f6glicht.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained\">\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong><strong>Venture Capital Methode<\/strong><\/strong> bei der Unternehmensbewertung<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Basis f\u00fcr das <a href=\"https:\/\/stage2.calandi.de\/unternehmensbewertung\/venture-capital-methode\/\" data-type=\"post\" data-id=\"806\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Venture Capital<\/a> Verfahren bildet der erwartete Exit-Erl\u00f6s bei einem Verkauf oder IPO (B\u00f6rsengang). Von diesem Wert wird mit der erwarteten Rendite auf den Bewertungszeitpunkt zur\u00fcckgerechnet. Strebt der VC-Investor eine Rendite von 20 % an, so wird mit diesem Wert diskontiert. Gleichzeitig ergibt sich der Exit-Wert aber auch aus dem prognostizierten Umsatz und Gewinn, da diese den Preis bestimmen, der sich beim B\u00f6rsengang oder Weiterverkauf an einen neuen Finanzinvestor mutma\u00dflich erzielen werden l\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<p>Zwar k\u00f6nnte man im Prinzip auch Bewertungsmethoden wie die Discounted-Cashflow-Methode (DCF) oder Bewertungs-Multiples (vergleichbarer Unternehmen) f\u00fcr den Venture-Capital Bereich anwenden.  Diesen beiden Methoden sind im Bereich von Start-ups jedoch enge Grenzen gesetzt, insbesondere dann, wenn die Cashflows negativ und vergleichbare Unternehmen deutlich gr\u00f6\u00dfer sind oder aber aus anderen Gr\u00fcnden aus dem Vergleich ausscheiden. Der von Bill Sahlman entwickelte Venture-Capital-Bewertungsansatz versucht diesen Defiziten der anderen Verfahren Rechnung zu tragen. <\/p>\n\n\n\n<p>Bei der praktischen Anwendung geht man in mehreren Schritten vor:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Kalk\u00fcl&nbsp;der erforderlichen Investitionen&nbsp;und Cashflows des&nbsp;Start-ups&nbsp;<\/li>\n\n\n\n<li>Zeitliche&nbsp;Bestimmung des&nbsp;Ausstiegs (Abl\u00f6sung durch neue Finanzierungsrunde,&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/B%C3%B6rsengang\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/B%C3%B6rsengang\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">IPO<\/a>,&nbsp;Verkauf der Firma an strategischen Investor)<\/li>\n\n\n\n<li>Prognose des Verkaufspreises auf Basis des&nbsp;Multiplikators&nbsp;beim&nbsp;Ausstieg&nbsp;(auf der Grundlage&nbsp;vergangener Transaktionen im Start-up Bereich)<\/li>\n\n\n\n<li>Verbarwertung (Bestimmung des Gegenwartswertes) des Exit-Erl\u00f6ses auf Basis der Zielrendite&nbsp;\u2013 diese kann leicht einen h\u00f6heren zweistelligen Prozentbetrag ausmachen, da die Rendite nicht erfolgreiche Start-ups (interner Zins: -100 %) &#8222;mitfinanzieren&#8220; muss<\/li>\n\n\n\n<li>Abzug des Fremdkapitals und Abzug von Mezzanine-Finanzierungen &#8211; als Residuum verbleibt der Wert des Eigenkapitalanteils<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Bei der Berechnung des Exit-Erl\u00f6ses ist zu beachten, dass zwischen dem Bewertungszeitpunkt und dem Exit weitere Finanzierungsrunden liegen k\u00f6nnen. Die Pre-Money (also vor Injektion des frischen Kapitals aus der neuen Finanzierungsrunde) und Post-Money-Bewertung (also nachdem weiteres Kapital in die Firma in der Regel zu Expansionszwecken gesteckt wurde) weichen dann entsprechend ab und auch die Anteile, die Investoren halten, k\u00f6nnen schwanken, wenn sie sich nicht in jeder Finanzierungsrunde proportional zum anf\u00e4nglichen Anteil beteiligen. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Finanzierungsrunden werden in der Regel alphabetisch betitelt. Round A ist also die Anfangsfinanzierungsrunde (Seed financing), Round B die zweite Runde, usw., wobei vor jeder Runde eine Neubewertung des Unternehmens stattfindet, damit allen Investoren der faire Anteil zugeteilt werden kann.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained\">\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Unternehmensb<strong><strong>ewertung mittels Realoptionen<\/strong><\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Die Realoptionstheorie ist eine Reaktion auf die Schwachstellen der gebr\u00e4uchlichen Bewertungsmethoden, bei denen Zahlungsstr\u00f6me basierend auf Erwartungswerten diskontiert werden. Die Entscheidungssituation wird in der Regel in diesen F\u00e4llen als &#8222;Jetzt-oder-Nie&#8220; Situation modelliert, wohingegen in der unternehmerischen Wirklichkeit in der Regel die zeitliche Dimension eine entscheidende Rolle spielt. <\/p>\n\n\n\n<p>Es kann sich als g\u00fcnstig erweisen, die Investition, die heute bereits einen positiven Kapitalwert hat, noch f\u00fcr einige Zeit zu verschieben, weil sie dann noch g\u00fcnstiger zu bewerten ist. Die Intuition ist jedem aus dem Alltag gel\u00e4ufig: &#8222;Soll ich jetzt einen neuen Laptop kaufen oder behalte ich den alten noch ein Jahr?&#8220;- Die Entscheidung selbst ist gefallen, aber der optimale Zeitpunkt muss bestimmt werden, weil der technische Fortschritt und zuk\u00fcnftigen Bed\u00fcrfnisse unsicher sind. <\/p>\n\n\n\n<p>Optimale Investitionszeitr\u00e4ume bilden Handlungsspielr\u00e4ume des Unternehmers ab (vertagen oder sofort investieren?), die bei der Ertragswertmethode unber\u00fccksichtigt bleiben (hier geht man von einer deterministischen, statischen Welt aus). <\/p>\n\n\n\n<p>Das klassische betriebliche Beispiel, das \u00e4u\u00dferst einleuchtend ist und einen Praxisbezug f\u00fcr dieses etwas akademisch anmutende Modell herstellt, ist das Betreiben einer Rohstoffmine. In Abh\u00e4ngigkeit von den Rohstoffpreisen kann die F\u00f6rdermenge erh\u00f6ht oder gesenkt werden. <\/p>\n\n\n\n<p>Sinken die weltweiten Rohstoffpreise unter die F\u00f6rderkosten, so unterbleibt die F\u00f6rderung. Intuitiv einleuchtend ist, dass der Wert einer Mine \/ F\u00f6rderst\u00e4tte aber nicht auf null sinkt, wenn der mittelfristig prognostizierte Rohstoffpreis unter die F\u00f6rderkosten f\u00e4llt.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf Grund der Prognoseunsicherheit und der Volatilit\u00e4t der Rohstoffpreise mag es durchaus sein, dass der Preis des gef\u00f6rderten Rohstoffs &#8211; trotz gegenteiliger Prognosen &#8211; in Zukunft wieder deutlich oberhalb der F\u00f6rderkosten liegen wird. Die Flexibilit\u00e4t zu f\u00f6rdern oder es f\u00fcr geraume Zeit zu unterlassen, hat einen \u00f6konomischen Wert, der sich gut mithilfe der Optionsmodelle (z.B. Binomial-Modell, Monte Carlo-Simulation oder Black Scholes) abbilden l\u00e4sst. Diese sind daher im Finanzsektor, insbesondere im Risiko-Management von Finanzinstituten, weit verbreitet.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained\">\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Entscheidungsb\u00e4ume als Zwischenl\u00f6sung<\/h2>\n\n\n\n<p>Entscheidungsbaumverfahren k\u00f6nnen die starre Planung von Kapitalwertmodellen \u00e4hnlich wie Realoptionsmodelle aufbrechen. Diese Verfahren wurden in der Bewertung von Projekten schon weit vor dem Aufkommen leistungsf\u00e4higer Computer verwendet. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Idee hinter dem Binomial-Modell (Zwei Umweltzust\u00e4nde, die sich von Periode zu Periode mit Faktor zwei immer weiter verzweigen) ist einem Entscheidungsbaum nicht un\u00e4hnlich. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/stage2.calandi.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Binomial-Modell-einfachster-Fall-1024x426.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-765\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Abb. 2: Das Binomialmodel in seiner einfachsten Form, mit einer Periode, mit einer Up-Wahrscheinlichkeit (WK) von p und einer Down-Wahrscheinlichkeit von 1-p.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>In Anbetracht der vielen denkbaren Zustandsentwicklungen und Handlungsalternativen wird die Handhabbarkeit von Entscheidungsb\u00e4umen allerdings vielfach in der Literatur bem\u00e4ngelt. Zudem liegt ein Nachteil der Entscheidungsbaumverfahren darin, dass ad hoc Diskontierungsraten angenommen werden m\u00fcssen. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Optionspreistheorie erm\u00f6glicht dagegen den R\u00fcckgriff auf die Annahme der Arbitragefreiheit. Das Modell l\u00e4sst sich daher direkt an Kapitalmarktdaten kalibrieren, wenigstens immer dann, wenn das Underlying (der zugeh\u00f6rige Basiswert, also Fall der Mine, beispielsweise Kupfer) ausreichend liquide mit Marktpreisen gehandelt wird. <\/p>\n\n\n\n<p>Ob diese h\u00e4ufig vorgebrachte Gegen\u00fcberstellung vermeintlicher Nachteile wirklich stichhaltig ist, l\u00e4sst sich bezweifeln. Immerhin lassen sich auch f\u00fcr den Entscheidungsbaum Annahmen \u00fcber unterschiedliche Zinss\u00e4tze unter unterschiedlichen Umweltzust\u00e4nden angeben. Der Modellierer kann diese Annahmen  prinzipiell auch aus aktuellen Daten nachvollziehbar ableiten und auf diese Weise zumindest plausibel begr\u00fcnden.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained\">\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fallbeispiel zur Unternehmensbewertung<\/h2>\n\n\n\n<p>Als Beispiel soll ein fiktiver Buch-Verlag dienen. Basierend auf historischen Finanzkennzahlen w\u00fcrde das Unternehmen mit einem EBITDA-Multiple von 4 bewertet werden. <\/p>\n\n\n\n<p>Es erwirtschaftet ein EBITDA von EUR 100.000, d.h. die Bewertung des Gesamtunternehmens inkl. Schulden liegt somit bei EUR 400.000. Abz\u00fcglich Schulden von EUR 80.000 ergibt sich ein Wert des Eigenkapitals von EUR 320.000. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Aktiva aus der Bilanz werden mit EUR 395.000 als Zeitwert angesetzt, sodass das Unternehmen nach der Substanzwert-Methode mit EUR 315.000 bewertet w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun ist aber seit Kurzem bekannt, dass ein bestimmtes Buch aus dem Verlagsprogramm sich gerade zum Bestseller entwickelt. Weitere B\u00e4nde werden folgen. Der Buchautor ist an das Verlagshaus vertraglich f\u00fcr weitere vier B\u00e4nde gebunden. Damit ver\u00e4ndert sich die Lage in Bezug auf die Bewertung.<\/p>\n\n\n\n<p>Beide oben beschriebenen Verfahren liefern keine akkuraten Ergebnisse mehr. Ein Experte erstellt eine genaue Prognose der zuk\u00fcnftigen Ums\u00e4tze unter Ber\u00fccksichtigung der wahrscheinlichen Verkaufsentwicklung der Bestseller-B\u00e4nde. Diese wird mit dem DCF-Verfahren unter Anwendung des angemessenen Zinssatzes verbarwertet. Anschlie\u00dfend werden &#8211; wie gehabt &#8211; die Schulden des Unternehmens abgezogen und ein neuer, deutlich h\u00f6herer Wert des Eigenkapitals errechnet.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained\">\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Zur Differenz zwischen Unternehmenswert und Preis<\/h2>\n\n\n\n<p>Klar ist, dass \u00e4hnlich beim Kauf und <a href=\"https:\/\/inveducate.de\/aktien\/aktien-kaufen\/\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/inveducate.de\/aktien\/aktien-kaufen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Investieren in Aktien<\/a> der Preis, den zwei Parteien miteinander vereinbaren, nicht an jedem Ort und zu jedem Zeitpunkt den Wert des Unternehmens widerspiegelt.<\/p>\n\n\n\n<p>Das kann verschiedene Ursachen haben: <\/p>\n\n\n\n<p>1. Der Markt ist aus irgendeinem Grund besonders &#8222;gehyped&#8220; oder illiquide. <\/p>\n\n\n\n<p>2. Standort und Branche werden von vielen Markteilnehmern als nicht attraktiv wahrgenommen. <\/p>\n\n\n\n<p>3. Die Suchkosten sind \u00fcberm\u00e4\u00dfig hoch. <\/p>\n\n\n\n<p>4.  Die Informations-Asymmetrie zwischen Verk\u00e4ufer (wei\u00df fast alles \u00fcber sein Unternehmen) und K\u00e4ufer (wei\u00df wenig und muss zum gewissen Grad vertrauen) ist bedeutend und kann nur mit viel Aufwand durch entsprechende Dokumentation verringert werden. <\/p>\n\n\n\n<p>All diese Faktoren k\u00f6nnen dazu f\u00fchren, dass der &#8222;echte&#8220; Wert, der aus den Finanzkennzahlen ablesbar ist, sich als Verkaufspreis nur schwer realisieren l\u00e4sst. Der wahre oder angemessene Wert aus der Unternehmensbewertung ist als Verkaufspreis nur dann erzielbar, wenn einer der &#8222;rar ges\u00e4hten&#8220; Kaufinteressenten gefunden wird, der zuf\u00e4llig gerade in der Nische und in dieser Region t\u00e4tig sein m\u00f6chte. <\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained\">\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Welches ist das beste Verfahren zur Unternehmensbewertung?<\/h2>\n\n\n\n<p>Das <strong>eine<\/strong> &#8222;korrekte Verfahren&#8220; zur Unternehmensbewertung existiert nicht. Vielmehr gibt der Anlass f\u00fcr die Unternehmensbewertung und das Gesch\u00e4ftsumfeld (Lebenszyklus) Aufschluss dar\u00fcber, welches Verfahren zur Modellierung des Unternehmenswertes am geeignetsten erscheint.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/stage2.calandi.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Verfahren.png\" alt=\"Vergleich der Verfahren der Unternehmensbewertung\" class=\"wp-image-471\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><em>Abb. 3: Unterschiedliche Bewertungsverfahren liefern eine Bewertungsspanne. Diese kann als Indikation f\u00fcr den angemessenen Wert angesehen werde<\/em>n.<\/figcaption><\/figure>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div id=\"Zusammenfassung\" class=\"wp-block-group blog-highlight-summary\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Zusammenfassung<\/h3>\n\n\n\n<p>Unterschiedliche Verfahren der Unternehmensbewertung liefern in der Regel divergierende Resultate in Abh\u00e4ngigkeit davon, welche Zeitabschnitte herangezogen wurden (NTM \u2013 Next twelve months oder LTM \u2013 Last twelve months) und wie optimistisch bzw. konservativ die verwendeten Gesch\u00e4ftsprognosen sind. Im Mittel kristallisiert sich jedoch eine Wertindikation heraus, die zwischen der optimistischen und der pessimistischen Bewertung liegt. Die Bewertungsspanne selbst gibt einen Aufschluss \u00fcber die Gr\u00f6\u00dfe der Unsicherheit im Zusammenhang mit zuk\u00fcnftigen Entwicklungen, die den Wert des Unternehmens beeinflussen.<\/p>\n<\/div><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir geben einen kurzen, nicht-technischen \u00dcberblick \u00fcber die g\u00e4ngigsten Verfahren f\u00fcr die Unternehmensbewertung.<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":1652,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[44,46],"tags":[60],"class_list":["post-276","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-unternehmensbewertung","category-weitere-themen","tag-unternehmensbewertung"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.calandi.de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/276","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.calandi.de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.calandi.de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.calandi.de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.calandi.de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=276"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.calandi.de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/276\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1966,"href":"https:\/\/www.calandi.de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/276\/revisions\/1966"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.calandi.de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1652"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.calandi.de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=276"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.calandi.de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=276"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.calandi.de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=276"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}